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Neues Reich

Das Neue Reich im Alten Ägypten in der Zeit von 1532 bis 1070 v. Chr. kennzeichnet die wohl allgemein bekannteste Epoche der Pharaonenzeit.

Der Bekanntheitsgrad dieser rund 500 Jahre umfassenden Zeit liegt nicht zuletzt an den vielen kolossalen Bauwerken wie Festungen und Tempel, welche die Herrscher haben bauen lassen. Ebenso sind viele Pharaonen durch ihre Eroberungen und Feldzüge bekannt geworden. Dazu zählt die von Thutmosis III. geführte Schlacht bei Megiddo oder auch die Schlacht bei Kadesch, die Ramses II. rund 300 Jahre später führte.

Auch die sehr prunkvoll ausgestatteten Begräbnisstätten im Tal der Könige und Tal der Königinnen haben das Ihre dazu beigetragen. Aber die wohl eindrucksvollsten Ereignisse waren die Entdeckungen der oft fast unbeschädigten Mumien der bekanntesten Herrscher der Neuen Zeit in Deir el-Bahari und dem Grab Amenophis II..

18. Dynastie

Schon die 17. Dynastie zum Ende der Zweiten Zwischenzeit lehnte sich gegen die Herrschaft der Hyksos im Nildelta auf. Gerade der letzte König Kamose eroberte große Gebiete. Als er plötzlich verstarb, trat sein jüngerer Bruder Ahmose 1550 v. Chr. die Nachfolge an. Er konnte die Hyksos aus Ägypten vertreiben und das Reich erneut einigen. Ahmose gilt als Begründer der 18. Dynastie.

Mit der vollständigen Rückeroberung zum Ende der Regierungszeit des Amose (gegen 1532 v. Chr.) begann das Neue Reich. Ägypten fand noch einmal zu einem kulturellen Höhepunkt. Zugleich trat das Land aufgrund seiner inneren Veränderungen durch die Hyksos in regen Austausch und Auseinandersetzungen mit der Außenwelt.

Die Könige Amenophis I. und Thutmosis I. stießen bis zum Euphrat vor, wo sie mit dem Mitannireich in Berührung kamen. Im Süden eroberten sie das in der Hyksoszeit verlorene Nubien zurück und schoben die Grenzen weit nach Süden vor. Die Vorstöße nach Syrien scheinen allerdings anfangs eher als Gegenreaktionen gegen die Hyksos gedacht gewesen zu sein.

Unter der Herrschaft der Königin Hatschepsut besinnt Ägypten sich wieder auf seine kulturellen Aufgaben und die kriegerische Phase scheint vorläufig abgeschlossen zu sein. Kaum tritt jedoch Thutmosis III., oft Napoleon der Pharaonen genannt, die Nachfolge nach dem Tod seiner Tante 1479 v. Chr. an, beginnen große Feldzüge, die die Unterwerfung Palästinas und Syriens bis in die Höhe Karkemisch anstreben und weitgehend erfolgreich beenden.

Dadurch wird Ägypten enger als je zuvor mit der vorderasiatischen Kultur konfrontiert und der Einfluss des bisher eher bedeutungslosen Militärs steigt gegenüber der bis dahin einflussreichen Beamtenschicht. Unter Amenophis II. gab es noch Auseinandersetzungen mit dem syrischen Großreich Mitanni am oberen Euphrat, aber unter Thutmosis IV. wurde Frieden zwischen den beiden Ländern geschlossen. Dieser wurde durch eine ausgeklügelte Heiratspolitik gewahrt. Das Land stand zu dieser Zeit in einer kulturellen Blüte, die kaum zu übertreffen war.

Da die Amunpriesterschaft in Theben bereits zu mächtig geworden war, begann unter Amenophis III. eine deutliche Abgrenzung gegen den ausschließlichen Amun-Kult. Der König zog sich noch stärker als seine Vorgänger in die frühere Residenzstadt Memphis zurück und hob besonders viele andere Götter vor, wie z.B. die Göttinnen Hathor und Mut sowie die Götter Sobek und Aton. Dies geschah langsam und diplomatisch, wurde jedoch abrupt durch den Nachfolger Amenophis IV. beendet, der in seinem 5. Regierungsjahr 1356 v. Chr. einen gewaltsamen Einschnitt machte und den bisherigen Glauben an Amun und die Götter verfemte. Er verließ Theben und zog in seine neugegründete Hauptstadt, die er Achet-Aton (Horizont des Aton), nach dem neuen Hauptgott Aton nannte.

Hierbei handelt es sich allerdings nicht nur um den Wechsel des obersten Gottes, sondern um eine neue Weltanschauung, die anstelle traditionsgebundener magischer Vorstellungen eine natürliche und freie Welt darstellen wollte. Diese Handlung Amenophis IV., der sich nun Echnaton nannte, stellt den Wendepunkt der ägyptischen Kulturentwicklung dar.

Nach dem Tod Echnatons versuchten die neuen Machthaber sofort, zum alten Glauben zurückzufinden und die alten Götter wieder einzusetzen. Zwar wurden zunächst unter Tutanchamun und Eje II. auch die neuen Vorstellungen beibehalten, jedoch war der Hass auf Echnatons brutalen Bruch mit den alten Traditionen zu groß, und man versuchte, die Erinnerung an diese Zeit ein für allemal auszulöschen.

Der Staat wurde von einer Militärdiktatur übernommen, und genau zu diesem Zeitpunkt wurde von Norden her durch die Hethiter unter ihrem König Suppiluliuma I. die ägyptische Herrschaft in Syrien zerschlagen. Dieser Angriff wurde durch die sogenannte Dachamunzu-Affäre ausgelöst, bei der eine ägyptische Königin um einen hethitischen Prinzen bat, weil ihr Ehemann, der König, verstorben sei. Die Hethiter schickten den Prinzen Zannanza, der jedoch noch an der Grenze ermordet wurde. Dieser Gegenschlag wurde möglicherweise vom späteren Pharao Haremhab veranlasst, ist aber nicht belegt.

General Haremhab, der schon unter Tutanchamun ein hohes Amt inne hatte, war der letzte Pharao der 18. Dynastie. Er bestieg den Thron um 1319 v. Chr. und liess viele Überbleibsel der Amarna-Kultur vernichten.

19. Dynastie

Mit der Machtübernahme durch Ramses I. 1292 v. Chr., eines hohen Generals unter Haremhab, wurde die 19. Dynastie begründet. Sein Sohn Sethos I. war der erste bedeutende Pharao dieser Dynastie. Er führte schon in seinem ersten Regierungsjahr 1290 v. Chr. einen Feldzug nach Syrien und später auch nach Libyen. Sethos I. hinterließ aus seiner Amtsperiode viele Bauwerke, deren künstlerische Gestaltungen heute zu den schönsten ganz Ägyptens zählen. In Abydos fanden Archäologen das sogenannte Osireion, das wohl zur Aufbewahrung seines Leichnams bis zur Bestattung 1279 v. Chr. gedient hatte.

Der Sohn Sethos I., Ramses II. bestieg nach dem Tod seines Vaters den Thron. Während seiner 67-jährigen Regierungszeit stieg er zum heute bekanntesten ägyptischen Pharao auf. Schon in den ersten Jahren musste er sich mit der Bedrohung durch die Hethiter an der ägyptischen Ostgrenze auseinandersetzen. Da Ramses II. sich genötigt sah , einzugreifen, als eine palästinensische Revolte gegen die Besetzung des Landes aufflackerte, kam es zur Schlacht bei Kadesch. Sie ist reichhaltig an den Mauern der Tempelanlagen von Karnak, Luxor, dem Ramesseum und anderen Tempeln dokumentiert.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den hethitischen Königen ging über Jahre weiter. Erst als innere Unruhen das Hethiterreich erschütterten und die Bedrohung durch die Assyrer erheblich zunahm, wurde ein Friedensvertrag ausgehandelt. Er wurde 1259 v. Chr. zwischen Hattusili III. und Ramses II. geschlossen.

Die Bautätigkeit des Ramses II. erreichte ihren Höhepunkt mit dem Bau des Ramesseums und des Tempels von Abu Simbel, den er sich selbst zu Ehren und nicht zuletzt für seine Frau Nefertari errichtete, der ein eigener kleinerer Tempel gewidmet ist.

Ramses II. starb im hohen Alter von 92 Jahren und wurde im Tal der Könige beigesetzt.

Unter Merenptah, dem 13. Sohn Ramses II., kam es zu Revolten in Syrien, die er aber zurückschlagen konnte. Es ist auch eine ägyptische Weizenlieferung an das hethitische Volk überliefert, als in deren Land eine Hungersnot ausbrach. Bei einem zweiten Angriff der Libyer, der zu Zerstörungen in den Westoasen und Nubien führte, war das Eingreifen des Merenptah wiederum erfolgreich.

Nach seinem Tod 1203 v. Chr. übernahm Amenmesse die Macht im Reich. Hierbei könnte es sich um den Sohn einer Nebenfrau des Merenptah gehandelt haben, was aber nicht bewiesen ist. Amenmesse regierte aber nur knapp drei Jahre und mit Sethos II. bestieg wohl der Sohn des Merenptah den Thron. Doch auch ihm war nur eine kurze Zeit als Pharao vergönnt, so dass sein jüngerer Bruder Siptah die Reichsgeschäfte übernahm. Schon im sechsten Amtsjahr verstarb auch er. Seine Mutter Tausret nahm nun den vollen Titel eines Pharaonen an und regierte das Land für acht Jahre bis 1186 v. Chr..

20. Dynastie

Die Machtübernahme durch den neuen Herrscher Sethnacht ist weitgehend ungeklärt. So ist nicht bekannt, wer er war und wie er auf den Thron gelangte. Dies muss in den kurzen Thronwirren nach Königin Tausret erfolgt sein. Er soll einige Kriege geführt haben, aber nach nur drei Jahren verstarb er.

Sein Sohn Ramses III. war der wohl letzte große Pharao in der ägyptischen Geschichte. In seinem dritten Amtsjahr sah er sich mit Einfällen der Libyer, die sich mit den Meschwesch und Seped verbündet hatten, konfrontiert. Sie überfielen das westliche Nildelta, wurden aber vom ägyptischen Heer vernichtend geschlagen.

Die einsetzende große Völkerwanderung aus dem Osten brachte dann um ca. 1177 v. Chr. den Seevölkersturm mit sich. Dabei wurden räuberische Volksgruppen, die aus der Ägäis und dem südwestanatolischen Raum zu Schiff über das östliche Mittelmeer und auf dem Landweg vorgerückt waren und Angriffe auf das Nildelta unternahmen, in See- und Landschlachten von Ramses III. vernichtend geschlagen.

Einige Jahre später versuchten die Libyer erneut ihr Glück im Nildelta. Aber auch dieses Mal schlug Ramses III. sie zurück.

Nach seinem Tod übernahmen einige Könige mit dem Namen Ramses die Reichsmacht. Wie ihre genauen familiären Abstammungen waren, ist oftmals noch ungeklärt. Es scheinen aber einige Söhne Ramses III. und Ramses IV. dabei gewesen zu sein. Ramses IV., der 1152 v. Chr. seinem Vater folgte, regierte nur bis 1145 v. Chr..

Unter seinen Nachfolgern Ramses V. bis Ramses VIII. kam es zu Thronstreitigkeiten, welche teilweise bürgerkriegsartige Ausmaße annahmen. Dies hatte wohl auch zur Folge, dass das Vertrauen in das Amt des Pharao sank und gleichzeitig die Macht der Priester, gerade in Theben, erstarkte.

Erst unter Ramses IX. und Ramses X. konnte wieder eine gewisse Stabilität im Land erreicht werden. Doch die Macht der Amunspriester war so groß geworden, dass sie sich gegen Ende der Amtszeit von Ramses XI. auf die gleiche Stufe mit ihm stellten. Der Zusammenbruch der althergebrachten Pharaonendynastien war vorgezeichnet.

 
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Ramses II. im Karnak Tempel (in neuem Fenster)
Ramses II. im Karnak Tempel
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