Götter in Ägypten
Meschenet

| Nebenformen: | Mesechenet |
| Ägyptischer Name: | Msxn.t |
| Bedeutung: | Schutzgöttin der Geburt und der Neugeborenen |
| Kultort | Abydos |
| Kennzeichen | Ziegel |
![]() Meschenet |
Meschenet ("Ort, an dem man sich niederläßt") wird als Frau dargestellt mit einem Kopfschmuck, der wie ein Rohr nach oben geht und sich dann zu beiden Seiten spiralig einrollt. Sir A. Gardiner hat dieses Gebilde als Uterus einer Kuh definiert. Daneben existiert noch die äusserst merkwürdige Darstellung als Ziegel mit Frauenkopf. Das hat seine besondere Bewandtnis. Die meisten Geburten in Aegypten fanden in hockender Stellung statt, die Füsse lagen dabei auf den sogenannten Geburtsziegeln. In seltenen Fällen benutzte man einen Gebärstuhl. Die Ziegel und der Stuhl galten als Verkörperung der Meschenet. Besonders die Ziegel wurden sorgfältig verwahrt. Darauf notierte der Gott Thot die Lebensdauer des Neugeborenen. Der Name der Göttin bedeutet denn auch "Ort, an dem man sich niederlässt", also den Platz, den die werdende Mutter aufsucht, sobald die Geburt einsetzt.
Die Geburt stellte zur damaligen Zeit eine weitaus grössere Gefahr für Mutter und Kind dar, als dies heute der Fall ist. Neben den vielfältigen Geburtskomplikationen fürchtete man auch Dämonen und andere negative Einflüsse. Wenn man all diese Risiken betrachtet, versteht man das Bedürfnis der Gebärenden - und Angehörigen - nach Schutz und göttlichem Beistand. Die magischen Kräfte, die den Geburtsziegeln zugeschrieben wurden, führten schliesslich zur Personifizierung dieser Fähigkeiten in Form der Göttin Meschenet.
Ihr Wirkungskreis beschränkte sich aber nicht auf den Geburtsvorgang. Meschenet bildete das Ka (den seelischen "Doppelgänger" des Menschen) im Mutterleib und verkündete bei der Geburt das Schicksal des Neugeborenen. Als Geburtsgöttin trat sie in enge Verbindung mit Chnum, Heket und Toeris. Als Schicksalsgöttin assistierte sie ausserdem beim Totengericht und verhalf dem Verstorbenen zur Wiedergeburt.
Vier Meschenet-Göttinen sind verzeichnet als Dienerinnen der Isis. Der Zusammenhang zwischen Geburt und Dienerinnen der Isis ist noch unklar. Die Vierzahl dieser Göttin ist allerdings ein Grund, weshalb man bei den Geburtsziegeln auf diese Zahl Wert legte. Die vier Göttinnen wurden unterschieden durch die Attribute "die schöne, die grosse, die treffliche und die gedeihende Meschenet". In der Spätzeit verschmolzen die vier Göttinnen mit Tefnut, Nut, Isis und Nephtys.
