Götter in Ägypten
Schai

| Nebenformen: | Psais, Psois, Shait, Shai |
| Ägyptischer Name: | SAy |
| Bedeutung: | Schicksalsgott |
Der Name von Schai wird abgeleitet vom Wortstamm sa = bestimmen, "der Bestimmer". Das machte ihn zum Schicksalsgott, zum Gott der Lebensenergie und des Wohlergehens. Er lässt den Menschen die Segnungen des Schöpfergottes zukommen. Ein gängiger Gruss im alten Aegypten war: "Schai und Renenet seien mit dir". Der Schöpfergott selbst wird umschrieben mit: "der, der Schai macht und Renenet werden lässt und am Leben erhält alles, was er geschaffen hat". Schöpfergötter waren Re, Amun, Ptah und Chnum. Da der Pharao Verkörperung göttlicher Macht war, stand auch er in Verbindung zu Schai. Von Ramses II. ist die Bezeichnung "Herr des Schai" überliefert.
Schai konnte seine Gaben in unterschiedlichem Masse verteilen. So mag der eine oder andere wohl etwas zu kurz gekommen sein. Aber da Schai im Auftrag des Schöpfergottes handelte, waren die Menschen ihm nicht einfach ausgeliefert, sondern hatten sozusagen eine übergeordnete Instanz, an die sie sich wenden konnten. Als Schicksalsgott könnte er mit dem Tod verknüpft sein, da auch der Tod und seine Begleitumstände Schicksal sind. Ueber diesen Sachverhalt sind sich die Aegyptologen allerdings nicht einig. Auf jeden Fall wurde Schai gelegentlich anstelle der Meschenet als Geburtsziegel dargestellt, auf dem das Todesdatum bereits vermerkt war. Diese Beziehung zum Tod führte zum Schluss "Schai berechnet die Tage". Da jeder Mensch sein eigenes Schicksal hat, hat er in bestimmten Sinne auch seinen eigenen Schai, was ihn in die Nähe des Ka bringt, der als seelischer Doppelgänger des Menschen galt.
Ein Kult des Schai ist bezeugt durch einen Denkstein aus der 18. Dynastie, der einen zweiten Priester des Schai erwähnt. Für einen volkstümlichen Gott ist das eher aussergewöhnlich. Kultstätten sind nicht bekannt. In der griechisch-römischen Zeit gelangt wie so manches auch Schai zu grösserer Bedeutung und wird zum Agathos Daimon (guter Geist).