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Koptische Christen

Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe Ägyptens besteht aus Anhängern der Koptisch-Ortodoxen Kirche. Die Angaben über Ihren Anteil schwanken zwischen 6 und 20 %.

Gründung

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist in Ägypten entstanden. Sie führt sich auf den Heiligen Evangelisten und Märtyrer Markus zurück, der im 1. Jh. n. u. Z. in Ägypten gewirkt und die Kirche gegründet haben soll.

Geschichte

Über die früheste Zeit der koptischen Gemeinde ist wenig bekannt. Jedoch verstehen sich die Kopten als christliche Nachkommen der Alten Ägypter. Der Begriff »Kopte«, die europäisierte Form des arabischen Wortes »qubti/qibti«, bedeutet nichts anderes als »Ägypter«.

Zeittafel

284Beginn der koptischen Zeitrechnung (nach Gregorianischem Kalender), der »Ära der Märtyrer«.
3. Jh.Die monastische Bewegung in Ägypten entsteht. Der heilige Antonius (251-356), »Vater der christlichen Mönche«, gründet eine Eremitenkolonie in der Wüste.
313 – 328Arianischer Streit. Bei den ersten drei von den Kopten anerkannten ökumenischen Konzilen (Nicäa 325, Konstantinopel 381, Ephesos 431) behaupten sich die Alexandriner mit ihren theologischen Ansichten gegen Arius.
451Beim 4. ökumenischen Konzil von Chalcedon wird der Streit um die wahre Natur Christi gegen die Ägypter entschieden (Arianischer Streit). Die alexandrinische und andere orientalisch-orthodoxe Kirchen halten an der Lehre von den zwei Naturen in einer Natur Christi nach Kyrillos von Alexandrien fest. Es kommt zum bis heute andauernden Schisma.
4.-5.Jh.Die Klöster als wirtschaftlich unabhängige Zentren entwickeln sich v. a. unter Schenûte (333/34-451/66) auch zu kulturellen und literarischen Orten und Ausbildungsstätten.
641Die islamisch-arabische Herrschaft löst die oströmische (byzantinische) ab.
706Die koptische Sprache (wichtigste Dialekte: Sahidisch und Bohairisch) wird durch die arabische Sprache ersetzt.
8.-9. Jh.Niederschlagung von Koptenaufständen.
Ab 9. Jh.Christen bilden in Ägypten nur noch eine Minderheit.
11. Jh.Verlegung des Patriarchats nach Kairo.
1250Mamlukenherrschaft: Massenübertritte zum Islam.
Mitte 19. Jh.Reform und Neubelebung unter dem 1854-61 amtierenden Papst Kyrillos IV., v. a. auf dem Gebiet der Bildung.
20. Jh.Große Erweckungsbewegung unter Papst Kyrillos VI. (1959-71).
Seit 1954Ökumenische Öffnung der Kirchen, Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen.
1971Inthronisierung des jetzigen Papstes Shenouda III., Patriarch von Alexandrien und 117. Nachfolger auf dem Stuhl des Heiligen Markus, der an die Errungenschaften des 19. Jh. anknüpft und sie weiterführt.

Lehre

Durch die gesamte Geschichte hindurch kam es immer wieder zu Christenverfolgungen. Unterdrückungen zu ertragen heißt deshalb für Kopten, das Kreuz Christi zu tragen. Sie nennen sich aus diesem Grund auch »Kirche der Märtyrer«.

Kopten halten im Gegensatz zur Zwei-Naturen-Lehre Christi des Arius (ein Christus in zwei Naturen, nur der Mensch Jesus sei am Kreuz gestorben) an der Lehre des Kyrillos von Alexandrien von den zwei Naturen Christi in einer Natur fest. »Er ist vollkommen in Seiner Gottheit; Er ist vollkommen in Seiner Menschheit, aber seine Gottheit und Menschheit wurden miteinander verbunden in einer Natur, die Natur des fleischgewordenen Wortes.« Nach diesem Dogma haben sich göttliche und menschliche Natur in Christus vereinigt. Diese theologische Anschauung brachte den Kopten den unberechtigten Vorwurf des Monophysitismus ein (den Glauben an die eine göttliche Natur Christi, verbunden mit dem Nicht-Glauben an die volle Menschwerdung Jesu Christi).

Wichtige Elemente der religiösen Praxis

Den Höhe- und Mittelpunkt der christlichen Frömmigkeit im Leben der Gemeinschaft bildet die Feier der Eucharistie (Danksagung/Abendmahl). In der koptisch-orthodoxen Spiritualität wird die liturgische Feier durch die Teilnahme am heiligen Sakrament der Eucharistie als Teilhabe am Leib und Blut Jesu Christi (verstanden als Teilhabe an der wahrhaften Gegenwart Christi) als Ort der Heiligung erfahren.

Eine eucharistische Liturgie dauert 2-3 Stunden, und sie ist geprägt durch Symbolik, Riten und einer hohen Anzahl an Wiederholungen, Akklamationen, lauten und stillen Gebeten und Gesängen, die den Gläubigen eine direkte und aktive Anteilnahme am Geschehen mit allen Sinnen ermöglichen.

Die Riten des eucharistischen Gottesdienstes sind im Euchologion (liturgisches Buch) in den drei gebräuchlichsten Anaphoren (Bezeichnung der gesamten Eucharistiefeier oder des Kernstücks, der Darbringung des Opfers) enthalten. Die heute am häufigsten verwendete Liturgie ist die des Heiligen Basilios neben der Gregoriosliturgie und der Markusliturgie (Kyrillos-Anaphora). Das Koptische als Sprache der Liturgie wird im 20. Jh. durch die jeweilige Landessprache ergänzt. Aufbau und Struktur der eucharistischen Liturgie richten sich sowohl nach besonderen Vorschriften und Regeln bezüglich Ort, Tag, Zeit und Häufigkeit der liturgischen Feier als auch nach den zum Empfang der Eucharistie notwendigen Dispositionen für die Gläubigen oder der Benutzung von Altar, Altargeräten und liturgischen Gewändern.

Jeder Eucharistiefeier geht die Liturgie der Stunden (Stundengebet) voraus – verschiedene, in ihrem Aufbau dem koptischen Stundenbuch Agpeya folgende Gebetsgottesdienste klösterlichen Ursprungs zu den sieben kanonischen Stunden (Sonnenaufgang, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Sonnenuntergang, Schlafengehen, Mitternacht).

Die koptische Liturgie ist nicht allein Sache des Klerus, sondern findet als öffentliches Gebet unter Teilnahme des gesamten Volkes – auch der Kinder – statt. Kinder werden von klein auf in das religiöse Leben integriert, da sie unmittelbar nach der Taufe das Sakrament der Firmung erhalten und somit als vollwertige Mitglieder der Kirche an der Eucharistie teilnehmen dürfen. Zur aktiven Frömmigkeit gehören auch der Einsatz und die Hilfe für Andere sowie das gesamte Familien- und Sozialleben und die Gastfreundschaft.

 
Weitere Informationen
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Literatur zum Thema
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