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Reisetag 1

Frohen Mutes und bester Laune fuhren wir am frühen Vormittag Richtung München.

Zum Glück erklärten sich meine Schwiegereltern bereit, uns zum Flughafen zu bringen, denn wenn man sein Auto dort parken will, kostet es zum einen ein halbes Vermögen und zum anderen muss man die Koffer durch die halbe Welt schleppen…

Markus hatte am Flughafen die spontane Idee, noch ein paar Oropax zu kaufen, was sich später noch als weise Entscheidung herausstellen würde. Dann checkten wir noch das Gepäck ein und gingen erstmal Kaffee trinken. Nach den üblichen Verzögerungen bei der Sicherheitskontrolle (diese Metalldetektoren sind irgendwie immer darauf aus, mich zu denunzieren…) machten wir es uns noch ein Weilchen in der Abflughalle gemütlich, beobachteten Leute und genossen die Tatsache, dass jetzt bald Urlaub angesagt war. Der Flug dauerte vier Stunden, wobei während der letzten Stunde unter uns ausschliesslich Sand zu sehen war – so eine Wüste kann sehr deprimierend sein, diese Erfahrung würden wir nicht zum letzten Mal machen.

Der erste Eindruck von Hurghada, als ich aus dem Flugzeug stieg, war: heiss! Obwohl die Sonne um 20 Uhr untergegangen war, wehte uns ein Wind entgegen, der sich eher anfühlte wie ein Haarfön. Allerdings gewöhnte ich mich recht schnell daran. Das Klima in Ägypten ist zwar viel wärmer als zu Hause, allerdings handelt es sich um eine trockene Hitze, die man als wesentlich angenehmer empfindet als diese feuchtwarme Unmöglichkeit, die sich in Deutschland „Sommer“ nennt…

Im Flughafen erwartete uns bereits ein Mitarbeiter von Berge&Meer, der sich darum kümmerte, dass jeder sein Visum bekam. Schon hier in der Flughafenhalle fiel uns auf, dass es in Ägypten keinen Mangel an Polizisten gibt – eine Notwendigkeit, wenn man an Luxor 1997 und sonstige terroristische Aktivitäten denkt – dazu aber später mehr.

Nachdem jeder ein Visum hatte und die Passkontrolle auch überstanden war, ging es an das unter Flugreisenden sehr beliebte Spiel namens Kofferroulette. Hier gab es allerdings eine etwas lästige Zusatzkomponente: Direkt neben dem Ausgabeschacht standen ein paar Herren, die sämtliche Koffer vom Laufband herunterhoben. Anfänglich konnte man meinen, es handle sich um eine freundliche Dienstleisung, was aber nicht der Fall war. Sobald man seinen Koffer erblickt hatte und diesen wegtragen wollte, kam einer von den Herren angespurtet und verlangte frech 2 Euro! Einige Touristen zahlten bereitwillig, um ihre Ruhe zu haben. Andere geigten den Typen erstmal die Meinung. Aber dafür lernte man hier gleich die Spielregeln im Umgang mit nicht erbetenen Dienstleistungen, was für uns während unserer Reise durch Ägypten noch so manches Mal sehr nütztlich war.

Nach dem Abwimmeln der Kofferträger stand uns dann die erste Begegnung mit einem ägyptischen Luxusreisebus bevor (man beachte dabei die Ironie im Zusammenhang mit dem Wort „Luxusreisebus“!). Die in den Prospekten derart angepriesenen Luxusreisebusse waren ca. 20 Jahre alt und ähnlich unbequem wie die Touristclass im Flugverkehr. Dafür funktionierte aber die Klimaanlage! Bei den Schlaglochpisten, die in Ägypten quer durch die Wüste führen, fragten wir uns allerdings so manches Mal, ob wir nicht doch besser mit einem Kamel geritten wären…

Aber jetzt ging es erstmal zu unserem Hotel, in dem wir die nächsten drei Tage residieren würden. Es hiess „Sultan Beach“, hatte 4 Sterne nach Landeskategorie und lag direkt im schönen Badeort Hurghada am Roten Meer. Schon während der Fahrt dorthin fiel uns auf, dass hier überall ohne Licht gefahren wird und die weissen Linien auf der Straße nur Empfehlungen sind, an die sich aber niemand zu halten scheint.

Im Hotel stand uns dann mal wieder das allgemeine Kofferchaos bevor: Koffer finden, Koffer in die Eingangshalle bugsieren und schließlich den netten Kofferträger nach Erhalt der Zimmernummer darauf hinweisen, wo er die guten Stücke denn hinkarren soll.

Nachdem der Reiseleiter uns in einem kurzen Briefing auf das Wichtigste hingewiesen und wir alle unsere All-Inclusive-Armbändchen bekommen hatten, ging’s erstmal rauf ins Zimmer. Ich hätte mich am liebsten sofort auf’s Ohr gelegt, aber da klopfte erstmal der Kofferträger und ließ uns eine Szene erleben, die genau so in amerikanischen Filmen immer wieder gerne gezeigt wird: Er stellte die Koffer ab, erkundete sich nach unserem werten Befinden und hielt dann die Hand auf. Markus kramte im Geldbeutel und drückte dem Mann dann einen 20 Pfund-Schein in die Hand, weil er nichts Kleineres hatte. Der Kofferträger freute sich jedenfalls wie ein Schneekönig über den Geldsegen und verschwand mit einem Ich-mach-jetzt-Feierabend-Grinsen.

Als wir das hinter uns gebracht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Speisesaal. Da man von dem Fraß im Flugzeug bekanntermaßen nicht wirklich satt wird, war ein ordentliches Abendessen nun genau das Richtige. Und es gab mehr als genug! Für Vorspeisen, Hauptgang und Nachspeisen stand je ein nicht zu verachtendes Buffet mit verschiedensten Leckereien bereit. Allerdings musste man höllisch aufpassen, denn die Angestellten räumten so schnell die Tische ab, dass einem schon mal das Besteck dabei verloren gehen konnte.

Frisch gestärkt wagten wir uns nach dem Essen auf die Straße vor dem Hotel. Wir wollten uns eigentlich nur ein wenig umsehen und noch irgendwo Wasser kaufen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne die Verkäufer einiger Geschäfte gemacht! Die ersten konnten wir noch abwimmeln, aber gegen Adam hatten wir keine Chance… Was mit einem harmlosen Gespräch über russische Urlaubsgäste und Religion im Allgemeinen begann, wurde dann bald zu einem: „Kommt in mein Geschäft! Nur kucken!“ Auch das war noch nett, er schrieb unsere Namen auf Arabisch und in Hieroglyphen auf eine Postkarte, erzählte von seinem Land und plötzlich waren wir mitten drin in Adams patentierter Verkaufsschau für Touristen, die noch nicht kapiert haben, wie das hier läuft. Wäre ich nicht so standhaft, hätte der Kerl mich vermutlich noch geheiratet! Mit viel Wortgewandtheit und dem festen Versprechen, am Ende unseres Urlaubs unsere Souvenirs bei ihm zu kaufen, entkamen wir ihm noch mal.

Nachdem wir diese Episode hinter uns gebracht hatten, schafften wir es nur noch zum direkt neben dem Hotel befindlichen „Pharao’s Supermarket“, um uns mit Wasser einzudecken. Da überall empfohlen wird, das ägyptische Leitungswasser nicht mal zum Zähneputzen zu verwenden, da ägyptische Nilbakterien nicht mit deutschen Mägen kompatibel sind, deckten wir uns gleich entsprechend ein. Einen Liter Wasser bekam man in Hurghada bereits für ein Pfund, was zum damaligen Kurs in etwa 14 Cent entsprach.

Müde von dem hektischen Tag, verkrochen wir uns dann aufs Zimmer, saßen noch eine Weile auf dem Balkon und gingen bald zu Bett.

 
Bilder des 1. Reisetages
Sonnenaufgang über dem Pool (in neuem Fenster)
Sonnenaufgang über dem Pool
Wetter in Ägypten
Alexandria: 21°C
Kairo: 23°C
Luxor: 25°C
Assuan: 25°C