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Reisetag 12

Wir hatten ganz bewusst den zweitägigen Ausflug nach Kairo gebucht. Man hätte das auch an einem Tag durchziehen können: Gegen 2 Uhr nachts losfahren, damit man um 9 bei den Pyramiden ankommt, das ganze Programm durchzieht, um dann gegen Mitternacht wieder im Hotel zu sein.

Da wir von uns behaupten können, weder lebensmüde noch verrückt zu sein, starteten wir mit acht weiteren Vernünftigen gegen 11 Uhr vormittags mit einem Minibus (die Kleinvariante des Luxusreisebusses, der sämtliche Eigenschaften dessen aufweist, aber dafür schlecht klimatisiert ist). An dem Tag fühlte ich mich gräßlich. Pharaos Rache forderte langsam ihren körperlichen Tribut. Normalerweise ist man in einem solchen Zustand nicht erpicht darauf, sieben Stunden quer durch die Wüste zu fahren. Aber was nimmt man nicht alles auf sich um der Bildung Willen, mal abgesehen davon, dass es nicht angehen kann, in Ägypten gewesen zu sein, ohne nicht wenigstens einen Blick auf die Pyramiden geworfen zu haben.

Die erste Hälfte der Fahrt ging recht gut, aber wir waren trotzdem froh, uns an einer „Autobahnraststätte“ namens Sahara Inn (die sich allerdings gar nicht in der Sahara sondern in der Arabischen Wüste befand, aber wir sind ja nicht pingelig!) die Füsse vertreten zu können nach der unbequemen Fahrt. Markus und ich erlebten im Sahara Inn eine wahre Offenbarung: Dort gab es nämlich Pizza! Nach all den Tagen mit pseudoeuropäischer Kost, die nicht unbedingt dazu beitrug, den Durchfall los zu werden, verschlangen wir mit wahrem Heisshunger eine Pizza Margherita, die vermutlich die beste Pizza unseres Lebens war. Hätten die Alten Ägypter einen Pizzagott gehabt, ich hätte ihm einen Tempel gebaut! Wer jetzt glaubt, ich würde übertreiben, der geniesse erstmal 14 Tage lang jeden Tag das gleiche Essen, das nach europäischen Rezepten, von denen die Hälfte fehlt, gekocht wird. Ich bin ja nicht heikel, mein Magen aber schon… Frisch gestärkt machten wir uns schliesslich auf, die zweite Hälfte der Fahrt hinter uns zu bringen. Es ging immer am Roten Meer entlang, wo man an der Straße oft sah, woher das Meer seinen Namen bekam: Rote Felsen soweit das Auge reicht. An einer Stelle sahen wir im Wasser Delphine spielen.

Und dann, als wir schon fast nicht mehr daran glaubten, erreichten wir die ersten Vororte von Kairo, der größten und chaotischsten Stadt Afrikas. So eine Fahrt durch Kairo lässt einen ahnen, dass gerade in den Aussenbezirken sehr viele Menschen unterhalb des Existenzminimums leben, und dass Häuser immer soweit fertig gebaut werden, bis das Geld ausgeht. Tagsüber halten sich zwischen 22 und 25 Millionen Menschen dort auf. Wenn dann abends die Pendler nach Hause gefahren sind, reduziert sich die Zahl auf etwa 20 Millionen.

Der Verkehr ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Auf vierspurigen Straßen steht man schon mal zu sechst nebeneinander, das wichtigste Teil am Auto ist die Hupe und man kommt vor allem mit Unverfrorenheit vorwärts. Auch unser Busfahrer beherrschte die Regeln bestens und bugsierte unseren Bus kreuz und quer durch alle Hindernisse. In Kairo fährt jeder nach dem Kanonenkugelprinzip: Augen zu und durch. Das erstaunlichste daran ist, dass es bestens funktioniert. Es gibt selten Staus und kaum Unfälle, was sich wohl dadurch begründet, dass die Autofahrer sehr aufmerksam sein müssen, um bei diesem Chaos nicht buchstäblich unter die Räder zu kommen.

Das Hotel für diese eine Nacht befand sich direkt an der Pyramidenstraße, welche vom Zentrum der Stadt 9 km weit bis zu den Pyramiden führt. Aus dem Zimmer im siebten Stock hatte man ein umfassendes Stadtpanorama. Ich sage absichtlich nichts von einem schönen Panorama, denn schön war es wirklich nicht. Reiseleiter Mohamed hatte bereits auf der Fahrt nach Kairo erklärt, dass man diese Stadt am besten bei Nacht anschauen solle, weil die Dunkelheit vieles verberge…

Wir hatten eine viertel Stunde Zeit, um kurz unter die Dusche zu hüpfen, was nach dieser Höllenfahrt eine Wohltat war. Danach traf sich dann alles im Speisesaal des Hotels zum Abendessen. Ich erwähnte bereits, dass es mir an dem Tag nicht besonders gut ging, entsprechend war mein Appettit. Die Suppe war höllisch scharf. Darauf folgte ein leckerer Salatteller. Anschliessend tischten sie uns Spaghetti Napoli auf. Obwohl ich keine Tomatensoße mag, entschloss ich mich trotzdem, den halben Teller runterzuwürgen, was ein Fehler war… Als den Spaghetti dann ein riesiges Schnitzel Wiener Art mit Pommes folgte, verliess ich den Speisesaal fluchtartig. Eigentlich wollte ich zurück ins Zimmer, um mich noch ein Viertelstündchen auszuruhen vor der nächtlichen Stadtrundfahrt, aber dafür musste ich erstmal den Liftboy finden – ohne diesen und seinen Schlüssel tat der Aufzug nämlich keinen Muckser…

Um halb neun hatten wir uns dann alle vollzählig im Eingangsbereich des Hotels eingefunden, um in unserem Miniluxusreisebus Kairo bei Nacht zu erkunden. Hatten wir am Tag noch gedacht, in dieser Stadt wäre verdammt viel los, wurden wir nun eines Besseren belehrt: Erst nach Sonnenuntergang erwacht die Millionenstadt zu wirklichem Leben. Überall drängen sich Menschen und das Verkehrsaufkommen steigt sprunghaft an. Man hat den Eindruck, als wären alle Einwohner Kairos unterwegs. Doch trotzdem sich auf unserem Weg mehr Autos befanden, als in diesen Straßen überhaupt Platz haben dürften, ging es einigermaßen zügig voran.

Wir besuchten ein Teehaus in der Nähe der Pyramiden von Gizeh. Von dort aus bot sich den Besuchern ein schöner Blick auf die berühmte Light&Sound-Show, ohne dass man auch nur einen Piaster Eintrittsgeld entrichten musste. In dem Lokal war es stockdunkel, so dass wir uns vorsichtig den Weg in den ersten Stock ertasten mussten, wo wir dann bei einem leckeren Glas Karkadeh vom Logenplatz aus dem Spektakel zusahen.

Diese Show ist weltberühmt, sie musste sogar schon für einen James Bond Film herhalten. Ein Sprecher erzählt Episoden aus der Geschichte des alten Ägypten. Die Erzählungen werden von Licht- und Klang-Effekten begleitet, um das Ganze etwas anschaulicher zu gestalten. Allerdings ist diese Show Geschmackssache – wer es gern etwas überladen und kitschig mag, dem sei sie empfohlen. Alle anderen sparen sich die 30 Euro Eintritt und gehen lieber in ein Teehaus, so wie wir…

Light&Sound gibt es natürlich nicht nur bei den Pyramiden, sondern auch bei sämtlichen Tempelanlagen und ähnlichem von Alexandria bis Abu Simbel. Beim Rückweg gings wieder quer durch die Dunkelheit. Zu dem Zeitpunkt war nicht nur der erste Stock in jenem Teehaus dunkel, sondern der ganze Straßenzug, weil es einen Stromausfall gab. Über sowas wundert sich in Ägypten aber niemand.

Wer nach Kairo reist, sollte den Khan El Khalili gesehen haben! Dieser ist der größte und wohl auch bekannteste Basar in der arabischen Welt. Die engen Gassen mit den reichhaltigen Auslagen, den Händlern, den exotischen Waren, den fremdartigen Gerüchen, wirken wie aus einem Märchen aus 1001 Nacht. Auch wenn die Verlockung manchmal groß war, stehen zu bleiben und teures Geld auszugeben, hefteten wir uns vorerst brav an die Fersen Mohameds und landeten schliesslich in einem weiteren Teehaus. Es handelte sich um jenes Teehaus, in dem der letzte König Ägyptens, Farouk, schon gerne eingekehrt war, was diverse Fotos an der Wand eines kleinen Nebenraums bezeugen. Es gab ein wenig Gedränge, aber schliesslich fanden Mohamed und seine 10 Habibi eine gemütliche Ecke. Es war eng, aber es war sehr gemütlich. Bei Shisha und Schwarztee mit frischer Minze hätte man es die Nacht über gut aushalten können. Und dass dieser Tabak absolut harmlos war, möge glauben wer will. Mir vertrieb er jedenfalls die Müdigkeit und ich konnte mal eine Weile meinen Magen ignorieren. Mohamed machte dann noch ein Familienfoto, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Wir genossen noch eine Weile das orientalische Flair des Basars und machten uns dann wieder auf die Suche nach unserem Luxusminireisebus.

Die weitere Fahrt ging zunächst vorbei am Denkmal des unbekannten Soldaten, vor dem 1981 der damalige ägyptische Präsident Sadat einem Attentat zum Opfer gefallen war. In einem nicht genau nachvollziehbaren Kurs brachte unser Fahrer uns schliesslich zum Nil, wo wir vom Bus in eine Feluke umstiegen.

Herrlich ist es, mitten in der Nacht auf dem Nil herum zu segeln. Mitternacht war längst vorbei, was vor allem bedeutete, dass in Kairo die Hauptverkehrszeit begonnen hatte. Aber auf dem Nil herrschte Ruhe – keine wuselnden Menschenmassen, keine trötenden Hupen, einfach nur Stille. Manchmal kam allerdings ein Motorboot vorbei oder es schallte von einem Schiff Musik herüber, aber dennoch war dieses kleine Segelboot ein Ort himmlischer Ruhe inmitten der Hektik.

 
Bilder des 12. Reisetages
Khan El Khalili (in neuem Fenster)
Khan El Khalili
Khan El Khalili (in neuem Fenster)
Khan El Khalili
Teehaus in Kairo (in neuem Fenster)
Teehaus in Kairo
Unsere Gruppe im Teehaus (in neuem Fenster)
Unsere Gruppe im Teehaus
Kairo bei Nacht (in neuem Fenster)
Kairo bei Nacht
Kairo bei Nacht (in neuem Fenster)
Kairo bei Nacht
Wetter in Ägypten
Alexandria: 22°C
Kairo: 22°C
Luxor: 23°C
Assuan: 24°C